Die Ostsee  
  Sporttauchen mit der Fritz Reuter, organisiert über den STC München  
 
Probleme beim Stagehandling?
Um die in den Griff zu bekommen, gibt es ein eigenes Kapitel. Hier wird der Umgang mit einer Stage, wie auch der Umgang mit mehr als 2 Stages ausführlich beschrieben.

> Zum Stagehandling
Immer schön durchatmen!
Wie berechnet der Taucher eigentlich seine Gasreserven, so dass in jedem Fall lebend die Oberfläche erreicht wird? ...

> Zur Gasberechnung

Der Plan:
Zehn hoch motivierte Taucher wollen die westliche Ostsee mit ihren vielen Wracks erkunden. Um die Wracks erreichen zu können wurde das Expeditionsschiff Fritz Reuter für insgesamt 4 Tage gemietet. Ausgangspunkt der Tour war der Ort Wismar, nahe Rostock - soweit der Plan. Zwischen der Ausführung dieses Vorhabens lagen allerdings, zumindest für die Münchener, noch ca. 750 km Autobahn, oder in anderen Worten 7,5 Std. Fahrzeit. Gut - auch die sind irgendwann vorbei, so dass wir uns alle pünktlich am ersten Abend an der Fritz Reuter zum Einschiffen getroffen haben. Ein kühles Bier und die Welt war wieder perfekt und die Strapazen der Autofahrt schnell vergessen. Am nächsten morgen wurden noch schnell der Sauerstoff und das Helium verladen. Nach dem auch das erfolgreich abgeschlossen wurde, konnte die Tour beginnen.

Flaschenpakete beim Auslaufen

Verladen von Sauerstoff und Helium

Schiffsglocke der MS Fritz Reuter

Meine persönlichen Planungen sind davon ausgegangen, dass wir schlechte Sicht bei schlechtem Wetter haben werden - schließlich war es schon September und die Ostsee kann zu diesen Zeiten bereits sehr ungemütlich werden. Um es gleich vorweg zu nehmen - es war genau umgekehrt. Die See war die meiste Zeit spiegelglatt, die Sonne schien und die Sicht unter Wasser war bei fast allen Tauchgängen akzeptabel.

Es war geplant, dass wir pro Tag (von Montag bis Donnerstag) zwei Wracks anfahren und betauchen werden. Die Tiefen wurden mit 10 bis 25m angegeben. Die zu erwartenden Wassertemperaturen sollten bei 12°C bis 15°C liegen, was letztlich auch der Fall war.

Tag 1:
2,5 Std. nach dem Auslaufen aus dem Wismarer Hafen, erreichten wir die nördliche Ansteuerungstonne von Wismar. Betaucht wurde ein Plattbodensegler in einer Tiefe von 22m. Die Sicht lag bei etwa 5 Metern. Viele Schwebteilchen und eine leichte Strömung erschwerten allerdings die Sicht und Orientierung. Der Abstieg erfolgte an einer zuvor gesetzten Grundboje. Am Grund angekommen war das Wrack nicht auszumachen, so dass wir uns entschieden mit Hilfe des Spools konzentrische Kreise um die Bojenleine zu drehen - nach ca. 5 Minuten tauchte das Wrack schemenhaft aus dem stark grünlichem Dunstnebel der Ostsee auf und konnte ausgiebig betaucht und "erforscht" werden. Auffällig war der extrem dichte Bewuchs durch Muscheln, Seesterne, Krebse und Anemonen. Das gesamte Wrack war völlig zugewuchert, so dass es schwer viel Einzelheiten zu erkennen, trotzdem ein netter Eingewöhnungstauchgang. Nach knapp 60 Minuten erreichten wir die Oberfläche und wurden von der Fritz Reuter aufgenommen.

Anemonen so weit das Auge reicht

Anemone im Detail

Aufnahme nach dem Tauchgang

Eine kleine Besonderheit stellte der nächste Tauchgang dar. Im zweiten Weltkrieg wurden zeitweise sogenannte 2 Mann U-Boote vom Typ Seehund eingesetzt - wie man sich sicher vorstellen kann sind nicht alle U-Boote in ihren Heimathafen zurückgekehrt. Der Verbleib dieser Boote und deren Besatzung ist bis heute zum Teil ungeklärt. Eine Suche nach diesen Wracks erweist sich generell als äußerst schwer, da sie auf grund ihrer Größe kaum auf den Sonars zu erkennen sind. Dennoch hat das Team der Fritz Reuter 10NM vor dem Hafen von Wismar zumindest eines dieser Wracks entdeckt. Und genau zu diesem Ziel führte uns der 2. Tauchgang. Unser Skipper hat allen Tauchern gleich zu Beginn im Briefings mitgeteilt, dass es sich um ein Seekriegsgrab handelt und folglich ein verändern des Wrackes nicht gedultet wird. Nach dieser Belehrung zogen sich alle Taucher um und tauchten der Reihe nach das in 18m liegende Wrack an. Auch hier war die Sicht eher begrenzt, es wurde wieder an einer Grundboje abgetaucht, es mußte wieder zu der bewährten Spoolmethode übergegangen werden, weil auch hier das Wrack nicht direkt am Grund der Boje zu entdecken war. Das Wrack selber, welches übrigens nur mit einer Sondergenehmigung betaucht werden darf, ist wirklich klein, wenn nicht sogar "mini". Es ist kaum fassbar, dass in diesem Boot zwei Matrosen inkl. Munition Platz gefunden haben. Der Rumpf ist noch mäßig gut erhalten und weist einige Beschädigungen auf. Ob diese die Ursache des Untergangs waren, lies sich mit unserem Lainenwissen nicht feststellen. Der U-Boot Turm, der den einzigen Zugang zum Boot gewähren würde, wurde vom Landesamt für Boden- und Denkmalpflege versiegelt, um die sterblichen Überreste der Besatzung zu schützen.

Kojen

Hinterdeck

Brücke

Tag 2:
Noch am Vorabend haben wir uns auf den Weg nach Gedser begeben und in dem dortigen Hafen übernachtet - Gedser liegt bereits in Dänemark. Vorgesehen war es den 100m langen Frachter "Waltraud Behrmann" zu betauchen. Die Waltraud Behrman liegt ca. 8NM südwestlich vor Gedser in einer Tiefe von 18m. Das Schiff sank in den 70er Jahren während eines Sturms. Nach einer "kurzen" Überfahrt sind wir dann auch irgendwann angekommen und konnten uns auf den ersten Tauchgang vorbereiten. Wegen der Größe des Wracks haben wir uns dazu entschieden zwei Tauchgänge durchzuführen. Der Abstieg erfolgte wieder an der Grundboje. Diesmal war die Boje so perfekt platziert, dass man praktisch direkt an der Bordwand aufschlug. Das Wrack selber ist sehenswert uns sehr interessant. Stellenweise kann man in das auf der Seite liegende Wrack eindringen. Wobei ein "eindringen" schnell durch versandete Eingänge beendet wird. Dafür ist es schön bewachsen, hauptsächlich mit Muscheln, wie wohl für die Ostsee üblich. Bei diesem Tauchgang haben wir auch zum ersten mal größere Fische wie z.B. Dorsche entdecken können. Diese doch eher scheuen Fische befanden sich hauptsächlich in Nischen und Ecken und verschwanden sofort beim ersten Anschein der Taucherlampen. Die Sicht mit bis zu schätzungsweise 7m war für die Ostsee zu dieser Jahreszeit besser als erwartet. Nach zwei jeweils 60 minütigen Tauchgängen haben wir die Grundboje gehoben und unseren nächsten Hafen anvisiert.

Vorbereitung zum Tauchen

Brücke von innen

Wrackteile

Tag 3:
Im Briefing erfuhren wir, dass sich unser nächster Tauchgang an einem ehemeligen Segler abspielen wird. Man muß dazu sagen, dass es sich um einen 3 Master hadelte und nicht um ein "kleines Kajütboot". Am Wrack angekommen, wurde wieder das Bojenseil eingesetzt um uns den Weg zu zeigen. Auch hier wurde das Blei perfekt versenkt, so dass keine Unterwassersuchaktionen nötig waren. Das Wrack liegt auf der Seite und bietet ideale Möglichkeiten zum Eindringen. Die Brücke, die Laderäume, nahzu das ganze Segler kann betaucht werden. Stellenweise kann man soweit vordringen, dass Tageslicht nur noch durch kleine Schlitze aus der Bordwand den Innenraum "ausleuchtet". Die sehr gute Sicht von bestimmt 10m hat den Tauchgang für alle zu einem Erlebnis gemacht. Einzig die Strömung war stellenweise nicht zu unterschätzen. Damit meine ich nicht, dass man hätte abtreiben können, vielmehr haben einem die Feuerquallen zu schaffen gemacht, die mit ihren teilweise bis zu 2m langen Tentakeln in der Strömung trieben. Bei dieser Gelegenheit habe ich dann auch gleich mal Bekanntschaft mit selbigen machen dürfen. Ich kann nur sagen, es brennt, führt aber nicht zum Tod :-).

Wieder zurück an Bord habe ich die "Essig Methode" ausprobiert um den Schmerz zu lindern - soll ja angeblich helfen. Gut - ich kann jetzt aus Erfahrung sagen, dass es sich um ein hartnäckiges Gerücht handelt... Der Essig brennt ebenfalls auf der Haut, bekommt man dann auch noch was vom dem Zeug in den Mund, löst man damit praktisch einen unmittelbaren Brechreiz aus...

Feuerqualle

Schiffschraube

Harmlose Qualle beim Auftauchen

Der zweite Tauchgang für diesen Tag führte uns in eine Tiefe von 13m. Ziel war die "Sand Trans", ein ehemaliges DDR Arbeitsschiff. Die "Sand Trans" liegt etwa 2 Std. östlich vor Warnemünde. Auch hier hat die Grundbojenmethode nicht versagt und alle fanden das Wrack auf Anhieb. Auf grund des schönen Wetters, das uns mit Sonnenschein und angenehmen 20°C das Leben versüßte waren auch die Bedingungen unter Wasser hervorragend. Das Wrack selber ist nicht ganz so stark bewachsen, so dass Einzelheiten noch gut zu erkennen sind. Am Besten sind jedoch die vielen Möglichkeiten zum Eindringen. Stellenweise kann soweit vorgetaucht werden, dass Tageslicht kaum noch warnehmbar ist. Im Inneren hingen sogar noch Textilien von der Decke. Wobei in diesem Fall die "Decke" eher den "Boden" darstellte, weil das Wrack umgegehrt, also "Kiel oben" auf dem Meeresgrund liegt. Insgesamt ein sehr schönes Wrack, gut zu betauchen. Insbesondere die Brücke ;-)

Tag 4:
Tja, wie das Leben so spielt, da geht man Abends weg, trinkt ein wenig und schwups muss der Tauchgang am Folgetag wegen starker geistiger Abwesenheit und Übelkeit abgesagt werden. Zunächst wollte ich den TG durchziehen, als ich dann aber feststellte, dass ich zwar meine Rockboots zumindest an einem Fuß anhatte, der Anzug allerdings noch auf dem Bügel hing, war das irgendwie ein Zeichen. Ich beschloss spontan auf den Tauchgang zu verzichten und habe mich wieder schlafen gelegt. Somit entfällt an dieser Stelle ein atemberaubender Bericht...

Wie auch immer - zum zweiten TG war ich wieder hergestellt und konnte diesen, wenn auch etwas müde, genießen. Angefahren wurde erneut ein "Ewer" also ein Plattbodensegler. Der Tauchgang zu dem relativ kleinen, in 24m Tiefe liegenden Wrack, bot unterm Strich nur ein Highlight und das war, dass es sich bei diesem Tauchgang um den Tiefsten der Tour handelte. Das Wrack selber war auf grund der mäßigen Strömung, der dadurch eingeschränkten Sicht und wegen meines allgemeinen Befindens keine Besonderheit.

Abgebrochener Mast

Drachenkopf

Bordwand

Am Ende des 4. Tages sind wir allesamt gut gelaunt zurück in den Wismarer Hafen eingelaufen. Ein Teil der Teilnehmer hat sich unmittelbar nach dem Einlaufen damit beschäftigt alle Ausrüstungsteile zu verstauen um noch am selben Abend nach München bzw. Hamburg aufzubrechen. Der Rest hat sich indes entspannt zurückgelehnt und den Abend in einem netten Restaurant ausklingen lassen. Am Morgen des 5. Tages hat sich dann auch dieser "Rest" auf die Autobahn "geschmissen". Mein Tauchpartner und ich haben bereits nach 6.5 Std. die Stadtgrenze von München passiert - was wohl ein neuer Rekord sein dürfte - gelobt sei mein Automobil...

Die gesamte Tour war ein Erfolg. Alle Teilnehmer verstanden sich prima, das Wetter war besser als erwartet, die Sicht unter Wasser im Durchschnitt akzeptabel und die Wracks interessant. Ich denke dieses Gebiet ist ideal zum Einsteigen in die Wracktaucherei und macht Lust auf mehr. Fanatischen Tieftauchern kann man die westliche Ostsee eher nicht empfehlen, laut Aussagen unseres Skippers erreicht man nur schwer die 30 bzw. 40m Marke. Wer tiefe Tauchgänge in der Ostsee durchführen will, muss sich dann wohl auf den östlichen Teil fokussieren. Wie dem auch sei. Ich hoffe der Bericht hat allen gefallen, über Meinungen, Anregungen und Kommentare freue ich mich wie immer in meinem Gästebuch.

Hoffe es hat gefallen...

 

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