Easy Rider  
  Die zweite Transalp - diesmal aber etwas mehr Höhenmeter und Regen  
 
Probleme beim Stagehandling?
Um die in den Griff zu bekommen, gibt es ein eigenes Kapitel. Hier wird der Umgang mit einer Stage, wie auch der Umgang mit mehr als 2 Stages ausführlich beschrieben.

> Zum Stagehandling
Immer schön durchatmen!
Wie berechnet der Taucher eigentlich seine Gasreserven, so dass in jedem Fall lebend die Oberfläche erreicht wird? ...

> Zur Gasberechnung

Transalp "Easy Rider", ein Urlaub im Sinne des Frierens...
geschrieben von Desiree

16.08.2007, ein Tag vor der Abreise... Wie immer noch viel zu tun

  1. Reparaturmaterial kaufen
  2. Karten Kaufen (nach 3 verschiedenen Hugendubeln, endlich fündig geworden)
  3. Radelkleidung noch waschen und trocknen
  4. Rücksäcke vorbereiten
  5. Neue Sonnenbrille kaufen, da Alte weg – wohin auch immer?

So, nun auf zu den letzten Taten und los geht’s. Entweder um 8:15 Uhr oder 11:15 Uhr je nach dem ob Wilke es geschafft hat seinen Termin zu verlegen.

17.08.2007, „Easy Rider“ mit Einstiegspassage über das Geiseljoch
Der Plan:
9.964 Höhenmeter
300,86 km
von Schwaz (Österreich) nach Montan (Italien) – zurück von Bozen mit dem Zug

Gestartet wurde um 8:15 Uhr. Mal wieder ein herzliches Dankeschön an dieser Stelle an Uli, der uns zum Abfahrtsrot gebracht hat.

Leichter Nieselregen, schaffte schon einige Bedenken bei uns, aber nun wollten wir trotzdem starten, da es sonst nicht mehr möglich wäre die Tour zu fahren, somit starteten wir eingepackt in Regenjacke und Beinlinge auf dem Parkplatz um den ersten Berg das Geiseljoch zu erklimmen.

Nach kurzen Schaltfehlern beim Startvorgang, ging es fix auf zur Weidener Hütte.

Startvideo

Bereits 15 Minuten später setzte der Regen ein und hielt sich auch bis zur Hütte. Also, ca. 1 Stunde aktiver Regen, dass hält  selbst die beste Regenjacke nicht aus. Somit um 13.30 Uhr immer noch auf der Weidener Hütte um die Sachen zu trocknen...

Unser Helfer "Uli"
Die Abfahrt
1. Stop bei Regen
Gipfel

Wir wagten es nach ca. 4 Stunden Aufenthalt bei trüber Sicht weiterzufahren. Ich wollte ja eigentlich nicht weiter, da es mir zu riskant war, aber Wilke war nicht davon abzubringen und so haben wir in kürzester Zeit das Geiseljoch bezwungen, da uns die Wolken immer dicht auf den Fersen waren. Kurz vor dem Gipfel ging mir dann auf dem Schiebestrecken-Teil die Puste aus, so dass Wilke kurzer Hand meinen Rucksack nahm. Welch' ein befreiendes Gefühl. Oben auf dem Gipfel nahezu null Grad, ab 2.700 Metern Schneefall und wir auf 2.292m. Es war wirklich eisig kalt da oben. Kurz ein paar Beweisfotos und den Stempel ins Buch und dann die langen Sachen wieder angezogen und runter ging’s.

So eine Abfahrt hatten wir noch nie. Durch die Wolken und auf einem Forstweg, der sich stellenweise durch Bachläufe zum Schlammweg entwickelte.

Die Abfahrt wäre ein Traum, bei wirklich trockenem Wetter, aber so wollten wir einfach nur runter und wieder rein ins Warme.

Hier ein paar Beweisfotos für das wirklich schlechte Wetter und dazwischen ein Vergleich wie es dort bei strahlendem Sonnenschein aussehen kann.

Gipfel
Gipfel
Gipfel
Die Abfahrt

Um 18.45 Uhr haben wir endlich Vorderlanersbach erreicht. Mit abgefrorenen Fingern und durchgefrorenem Körper. Es war maximal 7 Grad da oben auf dem Berg und der Wind hat bergab das Übrige dazu beigetragen. Nach verschiedenen Versuchen sind wir schließlich im Gasthof / Hotel „Forelle“ untergekommen.

In kürzester Zeit eingecheckt und ab in den Wohlfühlbereich entspannen, die Biosauna war gerade das Richtige für uns und die Erlebnisduschen eine Schau. Frisch geduscht noch etwas zum Essen, Forelle natürlich und ab ging’s ins Bett.

Tagesetappe 23,68 km
Fahrtzeit 3,09 Stunden
Durchschnitt 7,51 kmh
V Max 44,38 kmh

18.08.2007
Nach einer viel zu kurzen Nacht sind wir um 9:00 Uhr aufgebrochen. Die Anfangspassage sollte uns erfreuen, da es noch bis Mayerhofen/Jochberg bergab ging. Aber es war wie sollte es auch anders sein, ziemlich kalt. Gefühlte 5 Grad. Nach der Talsohle ging es rauf zum Schlegeis Speichersee auf 1.742 Meter. Der Weg war größtenteils Straße, die durch ein kleines Stück Wanderweg, der es wirklich in sich hatte, unterbrochen wurde.

Umgehung zur Maut Str.
Pfad
Pfad
Wasserfall

Dann wieder zurück auf die Mautstrasse und wir konnten es kaum fassen, was für eine atemberaubende Sicht auf die Speicherseemauer und einen fantastischen Wasserfall am Straßenrand. Ich konnte es bereits von unten (ca. 779 Höhen Meter) kaum glauben, dass ich wirklich dort hoch sollte, aber es fuhr kein Weg daran vorbei - sondern nur rauf!

Den Speichersee haben wir halbwegs gut erreicht und wer sagt es denn, wir haben beim Mittagsessen mal wieder gefroren...

Die Suppe war super heiß, aber die Apfelsaftschorle kurz vor dem Gefrierpunkt. Scheinbar wird dort mit Gletschereis gekühlt.

Um 14:00 Uhr Aufbruch zum Pfitscherjoch.

Entgegen vieler Gerüchte „Die Strecke ist jetzt fahrbar“ können wir nur sagen, ja ist sie, aber nicht für normal sterbliche Wochenendmountainbiker. Also, ehrlich gesagt, wir haben von den fast 6 km ca. 3 km geschoben. Aber egal im Roadbook stand eh "schieben und tragen" und so galt es auch für uns. Kurz vor dem Gipfel hätte ich am liebsten eine längere Rast eingelegt, weil der Körper wirklich anfing schlapp zu machen, aber Wilke hat mir mein Fahrrad einige hundert Meter abgenommen so wurde ich wieder etwas fitter, wenn man das überhaupt so nennen darf. Aber diese Aussicht war einfach atemberaubend. Und wirklich unvergesslich. Am Pfitscherjochhaus haben wir nur kurz einmal das Panorama und uns fotografiert. Eingepackt in alle Jacken und Mützen die wir hatten ging es abwärts, 10 km bergab - scheinbar endlos. Der einzige Wehmutstropfen bei dieser Etappe bestand darin, dass sich Menschenschlangen wie Lemminge den Berg hoch, bzw. runter schlängelten und streckenweise glich sie einer Reihe von aufgeschnürten Perlen.

Schlegeisstausee
Pause bei der Auffahrt
Tal vorm Pfitschjocht
Gipfel

Bis Fussendrass haben wir es im Prinzip spielend geschafft und haben noch ein rückblickendes Foto vom Pfitscherjoch-Haus geschossen. Bis nach Sterzing sind wir noch bergab gerollt um wieder in unser übliches abendliches Verhaltensmuster zu verfallen. Duschen, Essen, Schlafen.

Unten

Etappendaten:
71,14 km
6,13 Std. Fahrzeit
9,0 Stunden unterwegs

19.08.2007
Nach einem wirklich schlechten Frühstück – Sonntags gibt es nämlich keine frischen Brötchen... ja so ist da im Ausland, da sagt man immmer Servicewüste Deutschland, aber wir stellen immer öfter fest, das wir mit "Good Old Germany" ganz weit vorn sind.
Nun gut um 9.00 Uhr war mal wieder Abfahrt und was fällt mir zu diesem Tag ein, es ging bergauf und zwar 4,5 Stunden.

Doch vorher noch kurz einen Totalschaden am Fahrradschlauch. Aber der Austausch war keine Herausforderung sondern ganz schnell erledigt und auf gings.

Schlauchwechsel
Desi's Portrait
Wilke's Portrait
Ein Berg...

Die Steigungen wechselten zwischen 3 % und 11 % locker hin und her. Und nicht ein Meter war eben!!! Nach fast 3 Stunden und gerade mal 6 km ging unser Trinkvorrat zu Neige, so dass wir (in diesem Falle Wilke) gezwungen wurden Kontakt mit den Ureinwohnern aufzunehmen um nach einem Schluck Leitungswasser zu fragen. Nachdem sprachliche Hürden überwunden wurden, stellte man uns unter Aufsicht, freundlichst den Wasserhahn zur Verfügung. Schon ging’s „Locker“ weiter, bergauf natürlich.
Das Auffüllen war auch wirklich die Rettung, da die letzten km es noch mal richtig in sich hatten, Schotter leicht feucht (bremst einfach super) und stetig bergauf.

Und siehe da, endlich die Einmündung auf eine geteerte Straße. Ja super, festen Boden unter den Füßen, bzw. unter den Reifen. Nur noch 2,63 km bis zur Abfahrt, ja, ja das schaffen wir - oder auch nicht. Nach der Hälfte war es jetzt an Wilke eine Auszeit zu nehmen. An einem kleinen Bachlauf hat er sich erst abgekühlt und sich einige Minuten hingelegt.

Weiter ging’s weiter zum Scheitelpunkt.

Nach der Auffahrt
Nach kurzer Pause
Die Geisler Gruppe
Endlich Regen,,,

Was soll ich sagen, es war der Urlaub des Frierens und des Regens. Oben haben wir alles angezogen was der Rucksack hergab und dann mit ein paar dicken Regentropfen und einem aufkommenden Gewitter im Schlepptau in einem Affenzahn frierend bergab.

Die erste mögliche Unterkunft „Gruberhof“ wurde angefahren und siehe da, alles belegt. Nach kurzer Überlegung hat die nette Hausherrin uns ihr einziges verbleibendes Zimmer, welches eigentlich für die Kinder vorgesehen ist, zur Verfügung gestellt.

Nun Gute Nacht

61,59 km
5,25 Std. Fahrtzeit
11,3 km/h Durchschnitt
50,77 V-Max bergab

20.08.2007
Die Nacht war gut, aber der Morgen eine Katastrophe, was soll man dazu sagen? Regen, Regen und noch mal Regen.

Bis genau 12.00 Uhr da hatten wir aber bereits in einem anderen Hotel eingecheckt und unsere kompletten Sachen gewaschen. Aber auch die Regenpause hielt gerade mal 3 Stunden und schon fing es wieder an. Was macht man also mit so einem angebrochenem Tag? Man schläft, kuriert den Muskelkater aus und geht in die Sauna und zum Essen. Außerdem hofft man, dass es am nächsten Tag besser sein wird. In diesem Sinne mehr gibt es zum heutigen Tag wirklich nicht zu sagen.

Der Blick ins Nasse
Campari-Prossecco
Wolken im Tal
Unser Hotelzimmer

21.08.2007
Um 9:30 Uhr ging es wieder los. Gut gestärkt haben wir uns auf den Weg gemacht um die Broglesalm zu erobern. Wir hatten doch tatsächlich einen hellen Fleck am Himmel erspäht und dachten es könnte besser werden, aber falsch gedacht. Nach ca. 1,5 Std. Fahrtzeit fing es wieder an zu regnen und es kam die fantastische Schiebe- und Tragepassage der Broglesalm. Also Fahrrad geschultert und weiter bei langsam einsetzenden Regen, natürlich bergauf. Auch ich mit dem Fahrrad auf der Schulter, aber nur bis zu einem kurzen Nervenzusammenbruch. Da hat mich Wilke mal wieder gerettet und mir meinen Rucksack abgenommen und ich konnte so nun mein Fahrrad hoch schieben, schleppen, ziehen oder wie immer man es ausdrücken mag.

Die Fahrt zur Brogles Alm
Am Gipfel
Hütte im Regen
Endlich!

Dann endlich oben angekommen wollten wir die oftmals als so atemberaubend beschriebene Aussicht genießen, aber was soll ich sagen 100 Meter Sicht wenn man's aufrundet, ließen das nicht zu. Somit haben wir nur ein paar Beweisfotos aufgenommen und uns aufgemacht nach unten. Ach, nur fürs Protokoll; der Regen hat uns durchweg begleitet und wurde immer schlimmer bis nach St. Ulrich.

Die Abfahrt war wirklich schön, nur konnten wir sie bei Regen und null Sicht nicht genießen. Ein paar Pferde haben uns dann doch mal zum Lachen gebracht - wie können Tiere nur so neugierig sein?

Ein nettes Pferd
und hungrig

Die ausgiebige Mittagspause in St. Ulrich bescherte dann hitzige Diskussionen, aufgeben, einkehren, weiterfahren? Wie sollten wir uns entscheiden?

Wir müssten, wenn wir weiter fahren, mindestens Völs erreichen oder besser noch St. Zyprian.
Wir haben uns die Köpfe heiss geredet und folgende wirklich pfiffige Entscheidung getroffen. Auch wenn man uns das nicht verzeihen mag, aber ehrlich gesagt war es uns egal, denn der Dauerregen zerrt echt am Gemüt.

Im Restaurant
Die Lösung bei Regen
Die Bikes
Aussicht

Zwischen Völs und St. Ulrich liegen die Seiseralmen mit ca. 2.100 Metern sprich ca. 800 Höhenmeter die bewältigt werden müssen. Rauf und runter, aber Wunder der Technik es gibt Seilbahnen die auch Fahrräder mitnehmen. Wir also rein in die Seilbahn und rauf auf die Alm. Und wie bereits auf der Broglesalm Null Sicht und Regen.

Soll dort oben auch sehr schön sein. Von dort aus nur noch runter und zur bereits gebuchten Übernachtungsmöglichkeit nach Obervöls.

Endlich angekommen nach ca. 1 Std. Abfahrt im strömenden Regen, bekamen wir ein Zimmer das seinesgleichen suchte. Ich kann nur sagen Knast; Jugendherberge der schlechtesten Kategorie. Nach einigem hin und her und einer warmen Dusche sind wir dann wieder abgereist, das war einfach nicht zumutbar!. 15 Euro haben wir der Hausdame noch gegeben, für Dusche und Handtücher und sind zur Touristeninfo gefahren. Dort im System ein Hotel gefunden und nochmals Zimmer mit der Möglichkeit etwas zu Essen zu bekommen bezogen.

Resümee des Tages:
Wir werden abbrechen wenn nicht bis morgen ein Wunder geschieht.
Auch im Sommer kann es kalten Regen geben und man braucht dafür definitiv eine Regenhose!
Wenn dir eine Unterkunft nicht gefällt lehne Sie direkt ab.

47,16 km
4:27 Std. Fahrtzeit  zzgl einer Seilbahnfahrt
10,57 km/hDurchschnitt
48,39 km/h V-Max

22.08.2007
Es ist ein Wunder geschehen, der Himmel reißt nach und nach auf. Die Gemüter immer noch angeschlagen von den letzten Tagen, sind wir dann doch noch um 11.00 Uhr aufgebrochen um nach St. Zyprian zu fahren.

Völs
Völser Bushaltestelle
Blick nach Bozen
Irgendwo im Wald

Doch nach und nach verließen uns die Kräfte und auch die Wolkendecken machten uns Sorgen. (Zwei übereinanderliegende Wolkendecken die sich in unterschiedliche Richtungen bewegen bedeutet nach Adam Riese Gewitter und Regen)

Nach den verschiedensten gegenseitigen Motivationsversuchen haben wir schließlich um 13:30 Uhr aufgegeben und den Rückweg nach Bozen angetreten.

Am Bahnhof schnell noch ein Ticket gekauft und ab in den nächsten Zug, der um 15:00 Uhr Bozen verlies.

Die Ankunftszeit in München war 21:00 Uhr. Um 22:00 Uhr waren wir glücklich wieder zu Hause und konnten uns seit drei Tagen das erste mal in wirklich trocke Sachen einpacken.

Fahrradständer im Zug
Rückfahrt
Bahnsteig

Alles im allem eine wirklich sehr schöne Strecke, aber leider ein saumäßiges Wetter....

In diesem Sinne ein frohes Radeln allen Begeisterten.

Eure Desiree

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