Selber Mischen
 
  Beschreibung wie typischer Weise Atemgase für das technische Tauchen gemischt werden  
 
Probleme beim Stagehandling?
Um die in den Griff zu bekommen, gibt es ein eigenes Kapitel. Hier wird der Umgang mit einer Stage, wie auch der Umgang mit mehr als 2 Stages ausführlich beschrieben.

> Zum Stagehandling
Immer schön durchatmen!
Wie berechnet der Taucher eigentlich seine Gasreserven, so dass in jedem Fall lebend die Oberfläche erreicht wird? ...

> Zur Gasberechnung

Sinn und Zweck:
"12 EUR bitte". Das war der Satz, der meine Gesichtszüge entgleisen ließ. Da stand ich im Laden, hatte meine 10 Liter Flasche mit einem 50er Nitrox in die Hand gedrückt bekommen und sollte 12 EUR bezahlen - ein grauenvoller Tag. Angesichts dieser Preise verabschiedete ich mich vorläufig von dem Gedanken des Nitroxtauches. Im Nachhinein denke ich, dass dies ein Schlüsselerlebnis und gleichzeitig der Grundstein für eine eigene "Gas Infrastruktur" war. Ich habe in den Foren dieser Welt gefragt, wie man sich Gase selber beschaffen und mischen kann. Sehr schnell bin ich auf die Interessengemeinschaft IG-GASE gestoßen. Diese non-profit Interessengemeinschaft zentralisiert den Gaskauf vieler Taucher. Der Gründer verhandelt mit den Herstellern und erzielt großzügige Rabatte, von denen jedes Mitglied profitiert. Und das alles ohne zusätzliche Gebühren. Das beitreten war recht einfach, eine Mail an den Gründer und nach 14Tagen erhielt ich meine Kundennummer für die Westfalen AG. Es konnte also losgehen - aber nur fast - denn das Befüllen von Tauchflaschen war mir nicht geläufig. Auch hier erwiesen sich die Foren dieser Welt als sehr hilfreich. Tipps und Tricks wurden schnell ausgetauscht und die entsprechenden Adapter waren schnell bestellt. Und schon stand dem Mischen von Gasen nichts mehr im Weg.

Warum aber schreibe ich diesen kleinen Bericht? Nun, er richtet sich hauptsächlich an Taucher, die schon immer mal wissen wollten wie eine Vielzahl von technisch orientierten Tauchern an die Unmengen von Gasen gelangen. Ich werde meine persönlichen Meinungen und Ansichten zu dem Thema in groben Stichpunkten niederschreiben um letztlich Berührungsängste abzubauen. Ich möchte aber an dieser Stelle unmissverständlich darauf hinweisen, dass diese Beschreibung keinen "Kurs" ersetzt. Verschiedenste Organisationen bieten so genannte "Gasblender" bzw. "Gasmischer" Kurse an. Schwerpunkt dieser Kurse sind neben dem Handling von Sauerstoff und Helium auch die gesetzlichen Bestimmungen. Ich empfehle jedem Leser, der selber mischen möchte, einen solchen Kurs zu belegen. Gerne vermittle ich die entsprechenden Kontakte zu Personen, die m.E. nach sehr gute Kurse leiten und anbieten.

Bevor man ernsthaft über das Mischen nachdenkt muss ein geeigneter Lagerort gefunden werden. Hier bieten sich besonders ebenerdige Rüme wie z.B. Garagen, Bauernhöfe, Container etc. an. Keller o.ä. bieten sich allein schon wegen Treppen/Stufen nicht an. Bei der Suche nach einer Räumlichkeit sollte immer das Gewicht der Flaschen bedacht werden. Eine Speicherflasche wiegt immerhin zwischen 60 und 85kg - da werden Stufen schnell zu unüberwindbaren Hindernissen. Weiter spielt insbesondere bei der Lagerung die Gesetzeslage eine wichtige Rolle. Die genauen Bestimmungen erlernt man in einen der o.g. Kurse.

Wenn ein geeigneter Standort für die Speicherflaschen gefunden wurde, muss eine ordentliche Verbindung zwischen Speicherflasche und Tauchflasche hergestellt werden. Hier bieten verschiedene Hersteller verschiedene Lösungen an, die sowohl in der Qualität als auch im Preis stark variieren. Aircon und Komptech sind vernünftige Anlaufpunkte für Preisanfragen. Beide Unternehmen bieten im Prinzip alle gängigen Einzelteile an und ermöglichen es seine ganz persönliche Mischgarnitur zusammenzustellen. Natürlich kann man auch fertige Mischgarnituren bestellen.

Will man seine Garnitur persönlich zusammenstellen müssen einige Randbedingungen erfüllt sein um ein Mindestmaß an Sicherheit gewährleisten zu können.

  • Qualitativ hochwertiger 300bar Füllschlauch
  • Finimeter mit einer Genauigkeitsklasse von mindestens 0,5
  • Rückschlagventil
  • Zwei G5/8" Anschlüsse, 300 bar

Im Prinzip reichen diese Komponenten bereits aus um eine sehr einfache Mischgarnitur zu erstellen. Es bleibt allerdings die spannende Frage, wie man diese Komponenten miteinander verschraubt. Die nachfolgenden Zeichnungen geben zu diesem Thema ein paar Anregungen. Um die Funktion der einzelnen Komponenten zu erläutern habe ich die einzelnen Komponenten und deren Funktion weiter unten erläutert. Die Zahlen finden sich in allen Zeichnungen wieder und repräsentieren das entsprechende Bauteil. Abschließend habe ich eine Schemazeichnung erstellt, die das Ganze etwas bildlicher darstellt.

Variante 1: Rückschlagventil an der Empfänger Flasche

Diese Variante sieht vor, dass das Rückschlagventil möglichst dicht an der Empfängerflasche montiert wird. So können Empfänger-Flaschen schnell auf ihren Druck hin überprüft werden, ohne den Schlauch zu belasten.

Variante 2: Rückschlagventil an der Speicherflasche

Diese Variante sieht vor, dass das Rückschlagventil möglichst dicht an der Speicherflasche montiert wird. Diese Konfiguration ist weit verbreitet. M.E. nach kann allerdings der Druck einer (Empfänger) Flasche nur gemessen werden in dem der Schlauch belastet wird. Und jede Belastung stellt eine Abnutzung des Schlauches dar, die ich persönlich gerne verhindere. Darum habe ich mich für die erste Variante entschieden.

A. Speicherflasche (Quelle)
Die Speicherflasche hat in der Regel ein Volumen von 50 Litern und wird als T50 bezeichnet. Man sollte immer auf den Reinheitsgrad des Gases achten. Helium muss min. 4.6 entsprechen und Sauerstoff sollte nur in medizinischer Form verwendet werden.

B. Empfängerflasche (Senke)
Die Empfängerflasche muss sauerstofftauglich und sauerstoffrein sein. Soll heißen: Es dürfen keine sauerstoffunverträglichen Materialien eingesetzt werden. Dazu zählen: O-Ringe und verwendete Fette.

1. Anschlussgewinde
Man kann G3/4" Außengewinde, M26x2 oder G5/8" verwenden. Ich verwende ausschließlich G5/8" Anschlüsse. Diese Anschlüsse sind nämlich die normalen "Pressluft" Gewinde. Sie sind kompatibel mit allen Pressluftflaschen und damit am meisten verfügbar. G3/8" und M26x2 sind Nitrox Gewinde und erfordern oft Adapterstücke um wieder auf G5/8" Gewinde zu konvertieren. Es ist natürlich klar, dass mit einem G5/8" Schlauch auch nur Flaschen gefüllt werden, die für Nitrox vorbereitet wurden.

2. Finimeter
Das Finimeter ist das zentrale Instrument zum füllen. Normale Finimeter, wie sie beim Tauchen zum Einsatz kommen, reichen hier bei weitem nicht aus. Schließlich muss man sehr genau die einzelnen Gasanteile messen um das gewünschte Zielgas zu erreichen. Am besten sind digitale Finimeter mit einer Genauigkeitsklasse von 0,5 geeignet. Finimeter mit einer Genauigkeitsklasse von 1,0 sind theoretisch auch verwendbar aber eben nicht so genau wie die Digitalen. Ob das Finimeter abschraubbar oder fest montiert ist, ist nicht wirklich wichtig. Ich persönlich ziehe es vor, dass man das Fini entfernen kann, allein schon aus Transportgründen.

3. Druckentlastung
Die Druckentlastung ist erforderlich um den Schlauch nach dem Füllvorgang entlüften zu können. Ohne diese Entlastung wäre es nicht möglich den Schlauch zu lösen.

4. Rückschlagventil
Rückschlagventile sind unerlässlich und müssen zwingend verwendet werden. Der Grund ist recht einfach. Würde man eine Flasche die bereits 80 bar reinen Sauerstoff enthält an einen Kompressor anschließen, bestünde die Gefahr, dass Sauerstoff in den Kompressor strömen könnte. Der Anfangsdruck und interne Kompressorventile sollte dies zwar verhindern, allerdings ist die Gefahr eines Unfalls einfach zu hoch. Daher muss ein Rückschlagventil eingesetzt werden.

5. Schlauch
Es gibt im Prinzip zwei Varianten. Die erste ist ein mit Plastik ummantelter Schlauch. Die Zweite ein identischer Schlauch, nur mit dem Unterschied, dass dieser durch ein Edelstahlgeflecht geschützt wird. Solche hochwertigen Schläuche sind jedem anderen Schlauchtyp vorzuziehen. Plastikschläuche können bersten und Personen durch ausgefranste, wild um sich schlagende Schlauchenden verletzen. Umflochtene Schläuche sind bereits bauartbedingt besser geschützt und bieten im Falle eines zerbersten einen besseren Schutz. Ein wichtiger, oft vernachlässigter, Punkt ist die Länge des Schlauches. 70cm reichen sicher nicht aus. M.E. sollte der Schlauch mindestes 1,80 m lang sein.

6. Nadelventil
Das Nadelventil wird dazu verwendet eine möglichst feine Dosierung des Gasflusses zu erzielen. Sauerstoff darf nur sehr langsam übergeströmt werden. Nadelventile sind eine einfache Möglichkeit diesen Fluss zu kontrollieren. Letztlich sind sie aber optional, da eine Dosierung auch über das Anschlussventil möglich ist. (Man muss allerdings gestehen, dass eine Dosierung über ein Nadelventil wesentlich komfortabler ist)

7. Anschlussgewinde
Je nach verwendeter Gasart kann es unterschiedliche Anschlussvariationen geben. 200 bar Sauerstoff verwendet z.B. ein G3/8" Außengewinde, während Argon, Helium und 300bar Sauerstoff W30x2 Außengewinde verwenden. Wie auch immer, es muss ein Adapter verwendet werden, der das Gewinde des Füllschlauches mit dem Gewinde der Speicherflasche verbindet. Diese Adapter sind in der Regel nur über verschiedene Listen/Newsgroups zu bestellen. Eine entsprechende Mail reicht in den meisten Fällen.

Eine etwas ansprechendere Zeichnung stellt die einzelnen Komponenten bildlich dar.


Ich hoffe es hat gefallen...

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