Stages ermöglichen es in erster Linie mehr Atemgas für einen Tauchgang zur Verfügung zustellen. Der Umstand, dass sich dabei unterschiedliche Atemgase in den Stages befinden, ermöglicht zu dem eine angepasste und damit kürzere, optimierte Dekompression – der Tauchgangsverlauf wird damit insgesamt sicherer und optimiert.
Ab wann werden Stages überhaupt erforderlich? Die Antwort ist leider nicht so eindeutig, wie sich das manche gerne wünschen würden. Grundsätzlich gibt es zwei Hauptanwendungsfälle für den Einsatz von Stages :
Überschreiten Tauchgänge gewisse Tiefen und ist als Folge dessen mit einer zu geringen „Restgasmenge“ im Rückengas zu rechnen, ist es sinnvoll eine Stage als Bottom Stage mitzuführen. In solchen Fällen wird kein Dekompressionsgas, sondern ein Bottom Gas – also ein für die Tiefe angepasstes Atemgas - in einer Stage mitgeführt. Der Einsatz einer Bottomstage richtet sich dabei sehr stark nach der Rock Bottom Regel (siehe Rock Bottom Bericht)
Eine oder mehrere Dekogas Stages werden immer dann erforderlich, wenn Tauchgänge geplant werden, bei denen eine längere Dekompressionspflicht in Kauf genommen wird. Um diese signifikant zu kürzen werden Dekompressionsgase mit erhöhtem Sauerstoffanteilen mitgeführt.
In den seltensten Fällen sollte eine Stage als Bail-Out, also Reserveatemgas, mitgeführt werden. In flachen Regionen mag dieses Vorgehen ggf. gerechtfertigt sein, in größeren Tiefen ist diese Art der Bail-Out Sicherung unzureichend – insbesondere deswegen, weil das zur Verfügung stehende Atemgas oft zu gering ist – abgesehen davon müsste u.U. eine Wechselatmung in Kauf genommen werden – was sicher nicht deeskalierend auf die Gesamtsituation wirkt.
Wann ist man bereit für den Umgang mit Stages? Meine persönliche Meinung ist, dass der Grundstein für ein sauberes Stagehandling in der die Tarierung liegt. Die Tarierung muss praktisch in „Fleisch und Blut“ übergegangen sein und darf auch nicht in stressigen Situationen zusammenbrechen. Übungen zur sicheren Tarierung können hier noch mal vertieft werden.
Wichtig ist zudem, dass der Taucher langsam anfängt und sich kontinuierlich steigert. Es führt nur zu unnötigen Frustrationen wenn gleich zu Beginn mit zwei oder mehr Stages geübt wird. Die Maxime lautet:
Erst dann ist der Grundstein für den Umgang mit weiteren Stages gelegt.
Ziel dieser Beschreibung ist es nicht einen Kurs zu ersetzen. Diese Passage richtet sich an Taucher, die bereits erste Erfahrungen im Umgang mit Stages haben. Im Übrigen enthält dieses Kapitel eine starke persönliche Interpretation, die nicht immer mit den Vorgaben der Tauchorganisationen übereinstimmt.
Egal mit wie vielen Stages man taucht, zwei Vorgänge sind (fast) immer gleich.
Konzentrieren wir uns zunächst auf den ersten Vorgang, den Gaswechsel auf eine Stage. Auch hier wird der Vorgang wieder schrittweise erläutert:
Um eine Stage verwenden zu können muss sichergestellt sein, dass sich die zu verwendende Stage auf der linken äußeren Seite befindet, nur dann ist das „ziehen“ des Stagereglers problemlos möglich. Alle Taucher im Team stellen diese Ausgangslage her und bestätigen sich die Bereitschaft zum Gaswechsel durch ein o.k. Zeichen.
Die links außen liegende Flasche wird dem Tauchpartner gezeigt, dieser studiert die Beschriftung und überprüft ob das ihm gezeigte Gas der aktuellen Tauchgangsplanung und der damit verbundenen Tauchtiefe entspricht – ist alles in Ordnung - wird dies durch ein O.k. Zeichen bestätigt.
Mit der linken Hand wird die zweite Stufe des Stagereglers unter der Gummibebänderung hervorgezogen und so vor den Körper gehalten, dass die Schlauchverbindung zum Ventil der Stage visuell überprüft werden kann.
Um sicherzustellen, dass der Taucher tatsächlich das korrekte Gas ausgewählt hat, prüft er erneut die Beschriftung der Flasche und vergleicht sie mit der Tauchgangsplanung und der damit verbundenen Tauchtiefe. Sind diese identisch – und damit richtig – wird das Ventil der Stage kurz auf und sofort wieder zu gedreht. Als Folge wird das Finimeter ausschlagen und den aktuellen Flaschendruck anzeigen. Jetzt prüft der Taucher ob der Stageregler auch tatsächlich zu der zuvor auf- und wieder zugedrehten Stage gehört. Dazu betätigt er die Luftdusche des Stagereglers, was ein unmittelbares Fallen des Flaschendrucks bewirkt – ein wiederholter Blick auf die Beschriftung der Flasche bestätigt endgültig, dass diese korrekte ausgewählt wurde.
Jetzt wird das Ventil der Stage vollständig mit der linken Hand geöffnet. In der rechten Hand befindet sich die zweite Stufe des Stagereglers. Der Taucher führt unter Beobachtung der restlichen Tauchpartner den Wechsel, wie im nächsten Schritt beschrieben, durch.
Nun entfernt der Taucher mit der linken Hand den Hauptregler aus dem Mund und führt den Stageregler aus der rechten Hand in den Mund, und beginnt aus diesem zu atmen. Wichtig ist, dass der Hauptregler für die nächsten zwei bis drei Atemzüge in der rechten Hand verweilt - um bei unerwarteten Problemen sofort zur Verfügung zu stehen. Erst wenn alles in Ordnung ist und das neue Atemgas ohne Auffälligkeiten verwendet werden kann, wird der Hauptregler an den rechten Brust D-Ring geklickt und dem Tauchpartner durch ein abschließendes O.K. Zeichen der Beginn der Dekompressionsphase bestätigt.
Der zweite Vorgang, der ebenfalls immer gleich ist, ist der Wechsel zurück auf ein anderes Gas. Egal ob man mit einer oder mehreren Stages taucht, i.d.R. wird das Gas auf das man zurückwechselt immer das Rückengas sein. In den nachfolgenden Zeilen wird wieder schrittweise erläutert, was es zu beachten gilt.
Der Wechsel muss im Team angekündigt werden. Sind alle Taucher neutral austariert kann mit der Übung begonnen werden. Dabei ist stets zu beachten, dass die z.Zt. verwendete Stage links außen positioniert ist (was angesichts der oben beschriebenen Prozedur automatisch gegeben ist).
Der Taucher klickt nach Ankündigung den Hauptautomaten aus dem rechten Brust D-Ring aus, wechselt vom Stageregler auf den Hauptregler und beginnt aus ihm zu atmen. Der Stageatutomat ist jetzt zum Verstauen vorbereitet.
Mit der linken Hand wird der hintere Karabiner der außen liegenden Stage ertastet. Dieser wird ausgeklinkt und mit der linken Hand in einem Bogen samt Stage nach vorne geschwungen. Hierdurch dreht sich die Stage, so dass das Ventil direkt vor dem Taucher schwebt (der Karabiner am Flaschenhals der Stage bleibt weiterhin in dem linken Brust D-Ring eingehakt). Daher die Stage fast leer ist, wird sie nahezu neutral bzw. mit leichtem Auftrieb vor dem Taucher schweben. Nun ist es ein leichtes, die zweite Stufe des Stagereglers unter die dafür vorgesehenen Gummibänder zu schieben. Dabei wird der Atemschlauch ordentlich verstaut.
Ein Schritt der immer gerne vergessen wird ist das Schließen des Ventils. Also bitte daran denken.
Regler ordentlich eingefädelt, Ventil zu? Dann kann die Stage am linken Brust D-Ring ausgehakt werden und verstaut werden. I.d.R. wird diese dazu in den Bauch D-Ring oder in einen Schaukelring bzw. leash mit dem oberen Karabiner eingeklinkt.
Beim Stagehandling gibt es viele Anwendungsmöglichkeiten. Die wichtigsten dabei sind:
Bei dem Umgang mit max. zwei Stages ist im Prinzip nur zu beachten, dass das "schwerste" Gas immer "innen" liegt und leere Stages nach hinten (Bauch-D-Ring) weggeklickt werden. Implizit ist damit auch klar welches Gas "außen" liegt - nämlich das Leichteste, welches auch immer das erste zu atmende Gas ist.
Beispiel:
Es werden eine Bottom Stage mit einem Trimix-Gemisch und ein EAN50 Gas für die anschließende Dekompression verwendet. Beim Abtauchen liegt das EAN 50 Deko-Gas innen und das Trimix Gemisch außen. Zuerst wird das Gas der Bottom Stage verbraucht. Ist diese leer, wird sie gem. Grundübung 2 verstaut. Während man Grundübung 2 durchführt wird aus dem Rückengas geatmet. Es liegt an der Tauchgangsplanung, ob der Tauchgang mit dem Rückengas fortgesetzt werden kann oder nicht. Jedenfalls bleibt das EAN50 Gas wo es ist. Wird der Aufstieg eingeleitet, wird man zwingend den 21m Stop erreichen. Ab dieser Tiefe wird mit dem EAN50 die Dekompression begonnen. Da die Bottom Stage bereits im Bauch-D-Ring eingeklinkt ist, kann das EAN50 Gas gem. Grundübung 1 verwendet werden. Ausgetaucht wird mit dem EAN50 - ein weiterer Wechsel ist nicht erforderlich.
Zwei Stages stellen letztlich kaum eine Herausforderung dar. Schwieriger wird es da schon, sobald eine Dritte bzw. mehrere Stages hinzukommen. Wie geht man also mit dieser neuen Situation um? Das Grundprinzip kann so zusammengefasst werden:
Man taucht immer mit zwei Stage vorne ab, der Rest hängt im so genannten leash. Geatmet wird immer das außen liegende Gas, wird dieses nicht mehr benötigt, wird es zu den hinteren Stages dazu gehängt. Ab diesem Zeitpunkt hat der Taucher immer nur eine Stage vorne...
Beginnen wir am besten ganz vorne :-)
Zuerst muss man wieder mit einer allgemeinen Ausgangslage beginnen. Die Gase, die zuerst geatmet werden, kommen nach vorne, es ist klar, dass maximal zwei Stages vorne getragen werden. Diese beiden Stages werden in den Bauch D-Ring eingeklickt. Die Dritte Stage wird mit dem oberen Karabiner in den leash eingeklickt der leash wird in den Bauch D-Ring geklickt und das Dritte Gas wird über den linken Oberschenkel gelegt.
Der Tauchgang wird gem. Schritt 1 begonnen. Wie bereits beim Handling mit zwei Stages, wird auch hier die außen liegende Stage zuerst geatmet. In der Regel wird das außenliegende Gas die Bottomstage sein, ist diese nahezu leer wird sie am Bauch D-Ring ausgeklinkt im Bogen nach vorne geführt, der Regler entsprechend verstaut und mit dem oberen Karabiner in den Bauch D-Ring geklickt
Nun liegt noch eine Stage vorne. In meinem Beispiel handelt es sich um ein EAN50. Erreicht man nach diesem Beispiel die 21m Marke wird dieses Gas entsprechend Grundübung 1 vorbereitet und geatmet. Die dritte Stage (100% Sauerstoff) ist gem. dem Beispiel ab der 6m Stufe atembar und muss bei dem Erreichen dieser Tiefe nach vorne geholt werden. Dazu wird die dritte Stage kurz vom Oberschenkel gestoßen. Nun befindet sich diese Dritte Stage unter dem Taucher. Der Taucher selektiert die Dritte Stage und klickt diese in den Brust D-Ring ein.
Werden weitere Stages ins Spiel gebracht, fungiert der Leash immer als Befestigungsmöglichkeit für diese Stages. Stages können aus- oder in den Leash geklickt werden. Wichtig ist, dass der Leash selber nie aus dem Bauch D-Ring gelöst wird.
Mittlerweile hat sich der Leash vollständig durchgesetzt, "Schaukelringlösungen", das "Vorholen" des gesamten Stagepaketes sind nicht mehr zeitgemäß. Um so wichtiger ist es, dass der Leash korrekt konfiguriert und angewendet wird.
Auf das Seil wird der Gartenschlauch und der Karabiner aufgezogen. Die beiden Seilenden werden verknotet und der Gartenschlauch wird über den Knoten geschoben (ggf. Gartenschlauch etwas erhitzen). Fertig ;-)
Viel Spaß beim Üben...
Ihr habt eine Meinung, Anregung oder Kritik zum Bericht?
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marcus@hanodruck.de, 06.03.2010 - 18:17 Uhr
hallo,
ich vermisse beim wechselzurück auf das rückengerät, wann man den
stagekarabiner am flaschenhals in den linken brust-d-ring einhakt.
ebenfalls vermisse ich
beim wechsel auf die stage, wann und wie man sich den stageschlauch über den kopf
legt.
viele grüße
marcus