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Übersicht

Alles über meine Tauchkarriere

Meinen ersten Tauchschein habe ich Ende 2000 über den Verband SSI abgeschlossen. Bis 2002 bin ich dem klassischen Sporttauchen nachgegangen, im Prinzip boten die umliegenden Gewässer auch gar keine Möglichkeiten tiefer als 20m zu tauchen. Erst als ich 2002 aus beruflichen Gründen nach München umziehen musste, habe ich die "Tiefe" für mich entdeckt. Starnbeger See, Attersee und Walchensee liegen in zumutbarer Nähe und erreichen schnell Tiefen von über 100m. Da lag es auf der Hand die Ausrüstung umzubauen um sie etwas mehr auf tiefere Tauchgänge abzustimmen.

Der Einstieg in das technische Tauchen

Damit ich nun größere Tiefen erreichen konnte bildete ich mir ein, dass eine neue, aufwendige und teuere Ausrüstung mich sicher in die Tiefe leitet. Die Kriterien für diese Ausrüstung waren denkbar einfach. Soviel wie möglich an Atemgasvorrat bei maximaler Sicherheit im punkto Auftrieb. Also musste ein Wing-Jacket her mit mindestens 30l Auftriebsvolumen, damit ich stets redundant ausgestattet war musste das Wing selbstverständlich über zwei Inflatoren mit 2 getrennten Blasen (à 30L) verfügen. Gepaart mit einer Doppel 10 ergab sich schnell die perfekte "Tech Ausrüstung". Ich war stolz wie Oskar und konnte nun endlich die vorher unerreichbaren Tiefen des Starnberger Sees ausgiebig erkunden. Mit meiner Ausrüstung, die aus heutiger Sicht eher dem Prinzip "mit Kleber beschmiert und wild mit Ausrüstungsteilen beschmissen" entsprach, gehörte ich endlich zum erlauchten Kreis der Tech Taucher.

Jedes Wochenende präsentierte ich voller Stolz meine Ausrüstung und meine neuesten Ideen im punkto Konfiguration. Ich war mir absolut sicher zu der Elite der Taucher zu gehören, ich hatte schließlich eine monströse Ausrüstung!

Wie ging es nun weiter? Ich tauchte grundsätzlich mit Pressluft und habe selten die 50m Marke überschritten, nicht zu letzt weil ich erkannte, dass der Tiefenrausch die Wahrnehmung unter Wasser doch einschränkt und sich Notfälle schnell zu einem Desaster entwickeln können. Zudem kam die Verstärkung des Tiefenrausches, sobald die Grundzeit verlängert wurde.

Der erste Kontakt mit dem DIR System

Ich fühlte mich nie unwohl in meiner Ausrüstung, alles funktionierte ich fühlte mich immer sicher. Folglich sah ich überhaupt keine Veranlassung etwas an mir bzw. meiner Ausrüstung zu ändern. Jedoch sollte sich dass sehr bald ändern. Ich hatte mich durch einen Zufall mit einem DIR Taucher zum Tauchen verabredet, für mich, der zu diesem Zeitpunkt mit dem Begriff "DIR" kaum etwas anfangen konnte, war es eine interessante Möglichkeit einen dieser seltsamen, schwarzen "Fabelwesen" kennenzulernen.

Die DIR Fraktion - das waren die Taucher die sich wie wild mit Stages behingen, grundsätzlich schwarze Anzüge trugen und immer mit einer Doppel 12 in Richtung Seeufer marschierten. Dazu hatten sie immer extrem lange Schläuche um den Hals gewickelt, so dass böse Zungen sie immer als potentielle Selbstmörder bezeichneten, die es vorziehen einen langen Strick mitzunehmen, um sich in einer ausweglosen Situation schnell und schmerzfrei das Leben nehmen zu können.

Aber ich bin trotzdem mit ihm tauchen gegangen, nicht zuletzt weil seine Ausrüstung doch ganz anders aussah wie meine und mich eine gewisse Neugier trieb. "Wie würde sich dieses "Wesen" wohl im Wasser verhalten?"

Ich bin also wieder wie gewohnt, voller Stolz und Selbstvertrauen, ins Wasser gehüpft um einen tollen 50m Tauchgang vorzulegen. Der liebe DIR Kamerad meinte jedoch mir zu Beginn erstmal ein paar Übungen zeigen zu müssen, danach könnten wir dann ja immer noch tauchen gehen. Hätte ich gewusst was mir bevorstand - ich wäre sofort geflüchtet.

Was passierte? Eigentlich nicht viel. Wir ließen uns auf 5m fallen und stellten uns Kopf an Kopf voreinander. Das erste was mir bei dieser Aktion auffiel war, dass mein Gegenüber wie festgenagelt in einer perfekten horizontalen Lage ca. 1m über dem Boden schwebte. Ich lag natürlich wie immer mit den Knien im Schlamm und wühlte entsprechend Dreck auf - "na ja", dachte ich, "man kann nicht alles können und so ein bischen rumschweben kann ich auch noch lernen".

Mit seinem zum "V" geformten Zeige- und Mittelfinger, der rechten Hand, die er auf seine eigenen Augen richtete signalisierte mir dieses "Hovercraft" das ich ihm zusehen solle.

Er befand sich immer noch in der selben Position, einen Meter über dem Boden schwebend. Dann hob er seinen rechten Arm und bewegte ihn in die Richtung seines rechten Ohres, "was soll das jetzt", dachte ich noch, und dann sah ich auch schon das völlig Unerwartete: er berührte seine Ventile! Als wäre das nicht schon schlimm genug, fing er auch noch an selbigen zu drehen! "Ups", dachte ich, "wie ist denn das möglich? Is´ ja toll, dass das tatsächlich funktioniert, das werd´ ich auch gleich mal probieren" - tja es kam wie es kommen musste, ich versuchte ebenfalls meine Ventile zu erreichen was in einer völligen Entgleisung meiner ohnehin schon schlechten Wasserlage endete. Ich befand mich schnell in einer völlig verkrampften Position wieder. Erst als ich merkte dass mein Rückengerät im Schlamm eingegraben sein muss, meine Füße Richtung Wasseroberfläche zeigten, mein rechter Arm völlig unestitisch mit ruckenden Bewegungen in Richtung erste Stufe griff, dabei aber nur das Wasser des Sees umwälzte, wurde mir unmissverständlich klar "verlasse das Wasser, suche dir eine kleine Ecke und fang bitterlich an zu weinen!"

Ich war völlig entsetzt, wie war es möglich einen Meter über dem Boden zu schweben, dabei seine Ventile auf- und wieder zuzudrehen, ohne sich auch nur einen Millimeter von der Position zu rühren? Wieso konnte ich das nicht, wo ich doch so viel Geld in die Ausrüstung investiert hatte???

Es half alles nichts, dieses Erlebnis bedurfte einer ausgiebigen Analyse.

Meine Analyse

Mir wurde schnell die Tragweite klar, was es bedeuten würde wenn ich in der Lage wäre meine Ventile selber bedienen zu können. Ich wäre nie wieder auf einen Tauchpartner angewiesen, der mir im Falle eines unkontrollierten Abblasens meines Automaten helfen müsste. Mein Horrorszenario, dass mein Tauchpartner anstelle zu helfen eine weitere Gefahrenquelle darstellt weil er sich in Notsituationen, völlig anders verhält als erwartet, löste sich plötzlich vollkommen auf und war nicht länger existent.

Also galt es in erster Linie zu analysieren, warum die Ventile für mich unerreichbar waren. Der Grund war, aus technischer Sicht, schnell entdeckt. Die Flaschen standen einfach zu weit von meiner Backplate ab, es war schlicht weg nicht möglich die Ventile zu erreichen. Also musste der Abstand verringert werden, dazu wurde als erstes die Poseidon Quick Snap Vorrichtung entfernt. Dieses Teil, welches ein komfortables und schnelles wechseln der Flaschen ermöglicht, stellte den Hauptgrund dar, warum die Flaschen so weit von dem Backplate abstanden. Nach dem auch noch das Bibo-Kit, eine Befestigungsvorrichtung für Doppelflaschen, gegen Edelstahlschellen ausgetauscht wurde, konnte ich immerhin meine Ventile erreichen und auch mit viel Mühe drehen. Erst durch den Einsatz von Gummi-Handrädern, die etwas länger sind als die Standard Plastikhandräder gepaart mit einer absolut horizontalen Wasserlage kam der Durchbruch. Ich konnte endlich meine Ventile selber bedienen und war damit ein ganzes Stück unabhängiger geworden.

Dieser Prozess hat mich dazu animiert mich näher mit dem DIR System zu beschäftigen, denn schließlich war diese Optimierung von einem DIR Taucher übernommen worden.

Es stellte sich schnell die Frage ob es vielleicht weitere, sinnvolle Ergänzungen gab, die sich auf meine Ausrüstung kopieren ließen.

Das Internet hat sich als dankbare Quelle aufgetan. Ich habe recherchiert und mich in das Thema eingelesen. Schnell habe ich erkannt, dass das DIR System im punkto Ausrüstung sehr detailliert vorschreibt, welche Ausrüstungsteile man einzusetzen hat und welche nicht. Da ich bis zu diesem Zeitpunkt Unsummen in meine Ausrüstung investiert hatte und immer noch unzufrieden war, fasste ich die Entscheidung meine Ausrüstung dem DIR-Standard anzupassen, in der Hoffnung dass das ewige Umkonfigurieren der Ausrüstung endlich ein Ende haben würde und ich mich mehr auf das eigentliche Tauchen konzentrieren konnte.

Nach dem ich meine Ausrüstung innerhalb eines halben Jahres nahezu DIR konform hatte klappte es mit dem Tauchen immer besser, die lästigen Schrauber-Wochenenden an denen die Ausrüstung komplett zerlegt und wieder zusammengebaut wurde entfielen. Ich konnte mich dadurch immer mehr auf das Tauchen und auf unterschiedlichste Übungen konzentrieren.

Und nun viel Spaß beim Durchstöbern dieser Seiten...

Kommentare

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Bereits erfolgte Kommentare:

Schorsch, 20.03.2013 - 15:49 Uhr
Hey, ich habe in meinem Bekanntenkreis viele technische Taucher, die GUE zertifiziert
sind. Keiner von denen hatte je ein Problem damit mich mitzunehmen. Auch nicht als ich in
meinen Anfängen nur OWDler war und die Tauchgänge mit mir mal so gar nicht
technisch waren. Vielmehr hatten sie immer gute Tips und Verbesserungsvorschläge
für mich parat, die mich wirklich weitergebracht haben. Es gibt sie, nette Leute
in Signal-Schwarz. Hier in der Gegend so gar recht viele.

Matthias, 13.02.2013 - 19:57 Uhr
Hi Steffen, leider gibt es überall schwarze Schafe. Solch arrogante Zeitgenossen
tragen leider immer wieder dazu bei, dass das Wort \"DIR\" aus seinem, sagen wir
mal schlechten Ruf nicht rauskommt. Es gibt bald am Bodensee wieder ein großes
Treffen, dort würdest Du jedenfalls auskunftsfreudige DIR\'ler antreffen. Fall\'s Du
interesse hast, kannst Du dich über www.dir-ger.de informieren und anmelden.

Steffen, 12.02.2013 - 18:35 Uhr
Hallo, ich lese diese Seite nun schon seit ein paar Tagen, da ich taucherisch an einen
Punkt gekommen bin, an dem die Entscheidung wie es nun weitergeht ansteht. Das DIR-System,
wie Du (ich hoffe das \"Du\" ist in Ordnung) es hier beschreibst, macht, je mehr
ich lese, schon Sinn, zumal mich das technische Tauchen reizt! Trotz dem habe ich
(vielleicht aus Zufall oder Pech) in der Praxis nur DIR Taucher kennengelertnt, die sich
zu einer \"Elite\" zählen und einen Stroke, der ich ja nun mal bin, dem
entsprechend behandeln, sich konsequent abwenden anstatt evtl. zu helfen oder einfach
ignorieren. Wie also soll ich als Aussenstehender, der in dieser Situation ist,
einsteigen, wenn es erst mal quasi nur ablehnung \"hagelt\". Nichts desto trotz
möchte ich sagen, dass diese Seite ein Licht in meinem \"DIR-dunkel\"
darstellt...

Alexander, 30.11.2011 - 11:04 Uhr
Vielen Dank für diesen tollen Beitrag! Ich selbst bin seit 10 Jahren CMAS
Sporttaucher und möchte nicht das komplette DIR-System für mich umsetzen, da ich
dem erstmal kritisch gegenüber stehe. Meine Ziele sind in erster Linie nicht
größere Tiefen, da die Seen in meiner Umgebung nicht sehr tief sind (maximal
45m), sondern viel mehr eine absolut perfekte Wasserlage und höhere Sicherheit. Diese
Seite zusammen mit diesem Kommentar hat mir sehr geholfen mich neu zu
orientieren. P.S.: Bitte wenn möglich den unnötigen Spam entfernen
(untenstehend). Sowas ist unschön

Kommentar von Wilke: Spam wurde am 31.3.2012 gelöscht